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sun. jan. 28 2007
votivkino
wien/Austria

castello/neuwirth/stangl > film musik
unten den vesuv. neapel in film
http://www.votivkino.at/unterdemvesuv/index.html
Töchter des Vesuv
Frauen im neapolitanischen Stummfilm

In Zusammenarbeit mit Blickpilotin Berlin, Centro Sperimentale di Cinematografia / Cineteca Nazionale Roma und Cineteca di Bologna

Drei neapolitanische Stummfilme aus den 10er und 20er Jahren werden an diesem Filmsonntag so gezeigt, wie sie damals ihr Publikum (bis zu 6000 Besucher täglich in einem Kino!) erreichten. Die Zwischentitel hat ein Schauspieler eingesprochen, die Live Musik nahm Bezug auf die aktuellen und traditionellen Lieder dieser ewig singenden und tanzenden Stadt. Und die Geschichten? Die Geschichten handelten von einfachen Menschen und ihren Schicksalen, so wie sie jeder Kinobesucher selbst kannte und ihm nahe gingen.

Das Besondere an den drei gezeigten Beispielen aus der frühen Filmstadt Neapel ist die Rolle der Frau hinter und vor der Kamera. Erst seit kurzem wurde die vor allem als berühmte Diva bekannte Francesca Bertini auch als Co-Regisseurin des Films Assunta Spina anerkannt. Bemerkenswert in diesem frühen Werk ist neben der dramatischen Erzählweise (in anderen Ländern arbeitete man noch dokumentarisch, während dies schon Spielfilme waren) – die Volksmythen, Geschichten und Lieder aufgriff, besonders die ungeschminkte Darstellung des Frauenschicksals in Arbeiterfamilien, in diesem Fall der Gewalt gegen Frauen. Elvira Notari (À Santanotte) gilt als eine der führenden Filmpionierinnen Italiens und vermutlich als erste Studiobesitzerin (Dora-Film, 1909) weltweit. Sie kreierte schon sehr früh ihren eigenen Stil, filmte fast ausschließlich auf der Straße, statt im Studio – dal vero, wie man es später nennen sollte und exportierte ihre erfolgreichen Filme bis nach Amerika. Als drittes Beispiel früher neapolitanischer Filmkunst überzeugt und begeistert die letzte große italienische Stummfilmdiva Leda Gys in Napoli è una canzone. Auch hier ist die Stadt Neapel zentrale Akteurin, wenngleich in eher folkoristischen Ansichten und spektakulären Einstellungen, etwa bei der Besteigung eines rauchenden Vesuvs.
Associazioni di suoni napoletani

Live-Filmmusik von und mit Angélica Castelló, Olga Neuwirth und Burkhard Stangl

Angélica Castelló: Blockflöten, electronic devices
Olga Neuwirth: Theremin. Zither, electronic devices
Burkhard Stangl: Gitarren, Vibraphon, electronic devices
Christina Bauer: Tontechnik
Dank an Andrew Watts

Die Zwischentitel zu den Filmen werden von der Schauspielerin Katharina Scholz-Manker deutsch eingesprochen

Die enigmatischen Bilderwelten und die faszinierende Aura des frühen neapolitanischen Kinos fordern geradezu heraus, sie mit den Mitteln und dem Material zeitgenössischer Musik neu aufzuladen, damit neue Sinn- und Bedeutungszusammenhänge stiftend. Wie wir spätestens seit der experimentellen Filmarchäologie von Gustav Deutsch wissen – man denke an seine found footage-Filme wie "Film ist. (7-12)” oder "Welt Spiegel Kino” - war der Stummfilm niemals stumm: Die damaligen Vorführungen waren bis zum Beginn des Filmverleihs oftmals eingebettet in Varieté- und Jahrmarktsveranstaltungen, der Verlauf der Plots wurde live kommentiert, in Musik und Geräuschkulissen eingebettet.

Als ich die Einladung erhalten hatte, die drei heute gezeigten Stummfilme zu "vertonen”, war mir sofort klar geworden, für die Realisierung dieses Vorhabens Kollegen, in diesem Fall Kolleginnen, einladen zu wollen, um damit eine breitere ästhetische musikalische Auffächerung und Instrumentation zu erlangen. Olga Neuwirths Arbeiten mit Elektronik, Film und visuals als integraler Bestandteil ihrer Musikwerke ("Long Rain”, die Opern "Bählamms Fest” und "Lost Highway”) zeugen von ihrer langjährigen Beschäftigung mit den "laufenden Bildern”. Angélica Castelló - als Blockflötistin von der alten Musik herkommend - machte sich einen Namen mit dem Low Frequency Orchestra, als Interpretin neuer zeitgenössischer Blockflötenmusik integriert sie Elektronik und oftmals visuals.

Drei Filme, ein Trio: Um für die Besucher aller drei Stummfilme - und für uns Performer natürlich auch - eine farben- und abwechlungsreiche Klangpalette zu kreieren, wurde zu jedem der drei Filme eine unterschiedliche musikalische Konzeption entwickelt, die dennoch das Trio als musikalische Einheit zeigt. "Kaum etwas ist schöner, als Musik zu diesen Filmen zu machen”, schrieb mir Frau Castelló im Zuge unserer Vorbereitungen. Besser kann man es nicht ausdrücken. (Burkhard Stangl)

link: http://www.votivkino.at/unterdemvesuv/index.html , http://www.olganeuwirth.com/ , http://stangl.klingt.org/