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fri. oct. 18 2019
theater basel
basel/Switzerland

hundert jahre weinen oder hundert bomben werfen (premiere)
schauspiel von darja stocker und mohamedali ltaief
urauffĂŒhrung/auftragswerk

inszenierung: franz-xaver mayr
bĂŒhne: michela flĂŒck
kostĂŒme: korbinian schmidt
musik: matija schellander
Reto wird sein Leben lang verstossen. Von Kindesbeinen an wird er immer wieder fortgeschickt: vom Vater in Basel zur Mutter nach Genf, als Verdingbub von Bauernhof zu Bauernhof. Auf der Suche nach Zuneigung und Anerkennung wird er immer wieder erniedrigt und gedemĂŒtigt. Und so findet er sich schliesslich auf einem Schiff von Marseille nach Algier wieder, um als Söldner in den Krieg zu ziehen und sein GlĂŒck in der Fremde zu suchen. Die Legion suggeriert Zusammenhalt und Sicherheit, bedeutet aber gleichzeitig ein Leben in permanenter Angst. In einer Gerichtsverhandlung wird Reto schliesslich zur Rechenschaft gezogen und muss die Qualen seines Lebens Revue passieren lassen.

Darja Stocker: «Das StĂŒck hat einen Teil europĂ€ischer Kolonialgeschichte zum Thema: Die Schweizer, die in die Zentrale der Fremdenlegion nach Marseille â€čflĂŒchtetenâ€ș und spĂ€ter im Algerienkrieg kĂ€mpften. Die kaum volljĂ€hrigen MĂ€nner stammten mit grosser Mehrheit aus dem Subproletariat. Die GrĂŒnde ihres Weggangs sind Perspektivlosigkeit, drohender Freiheitsentzug wegen ArmutsdiebstĂ€hlen, ihr Gefangensein als Verdingkinder oder als Insassen von Arbeitserziehungsanstalten. Sowohl die Flucht in die Fremdenlegion als auch der dekoloniale Kampf enthalten die Metaphorik der Hoffnung, des Neuanfangs und der Heimat. Wie konnte es so weit kommen, dass verwundbare Opfer eines repressiven kapitalistischen Systems zu Wunden zufĂŒgenden Verbrechern inmitten eines ideologischen Krieges wurden? Wie entstand bei den jungen MĂ€nnern in der Fremdenlegion die Bereitschaft, zu töten?»

Das StĂŒck ist inspiriert von GesprĂ€chen der Autorin mit einem ehemaligen Basler Verdingbub und FremdenlegionĂ€r. Sie verbindet diese beiden grossen Kapitel der Schweizer Geschichte und zeigt, wie der Protagonist vom Opfer zum TĂ€ter wird und die Spirale der Gewalt kein Ende findet. Viele junge Menschen schliessen sich auch heute noch freiwillig militĂ€rischen Einheiten an, setzen sich auf der Suche nach Sinn, Gemeinschaft und IdentitĂ€t den Gefahren des Krieges aus. Wie in «Das grosse Heft» und «Der standhafte Prinz» ist hier ein weiterer junger Protagonist bereit, fĂŒr eine Überzeugung zu sterben, auf der Suche nach Halt und Heimat in widrigen KriegszustĂ€nden.

Nach «Nirgends in Friede. Antigone» in der Spielzeit 2015 / 2016 ist dies das zweite Auftragswerk fĂŒr das Theater Basel der Schweizer Dramatikerin Darja Stocker, die zuletzt mit dem Dramatikerpreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft ausgezeichnet wurde. Franz-Xaver Mayr inszeniert nach «Romulus der Grosse» von Friedrich DĂŒrrenmatt erneut am Theater Basel.

link: https://www.theater-basel.ch/Spielplan/Hundert-Jahre-weinen-oder-hundert-Bomben-werfen/oMBq2bOp/Pv4Ya/