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fri. may 04 2018
schauspielhaus
basel/Switzerland

romulus der grosse (premiere)
romulus der grosse
schauspiel von friedrich dĂĽrrenmatt

inszenierung: franz-xaver mayr
bĂĽhne: michela flĂĽck
kostĂĽme: korbinian schmidt
dramaturgie: katrin michaels
sound: matija schellander
«Wer so aus dem letzten Loch pfeift wie wir alle, kann nur noch Komödien verstehen», verkündet Romulus – die Schweizer Version eines römischen Tyrannen und mutmassliches Alter Ego seines Schöpfers Dürrenmatt, der eben vor allem gar kein Tyrann sein will. Dabei ist Rom in höchster Aufregung, die Germanen rücken vor; aber Romulus interessiert nur, wie viele Eier seine Hühnerzucht produziert. Er bricht die letzten goldenen Blätter von seinem Lorbeerkranz, um den Koch zu bezahlen und sitzt die Versuche von Familie und Ministern, doch etwas gegen den Untergang des Abendlands zu unternehmen, stoisch aus.

Vielleicht war es die drei Jahre zuvor uraufgeführte Tragödie «Caligula», die Friedrich Dürrenmatt 1948 zu seinem zweiten Theaterstück inspirierte, das 1949 am Theater Basel erstmals zu sehen war: Der Regierungsstil seines Helden stellt geradezu das Gegenteil zu Camus’ Tyrannen dar. Nach den ersten Akten entpuppt sich jedoch auch dieser togatragende Narrenkaiser als Existenzialist mit einem geheimen Plan: Das Spiel ist aus. Romulus’ Machtwille besteht einzig darin, das Ende des Imperiums, das niemand ausser ihm wahrhaben will, zu besiegeln.

Für einen Staat, der auf «Mord, Plünderung, Unterdrückung und Brandschatzung auf Kosten der andern Völker» beruht, sieht er keine Zukunft und öffnet dem Zeitalter der Hosen die Türen. Das Komplott der Untergebenen verliert sich zur Farce – das Problem am Ende besteht vielmehr darin, dass der Germanenkönig Odoaker genauso einsichtig und sympathisch ist wie Romulus selbst.

Der Machthunger der nächsten Generation scheint letztlich die Bedrohung, die es zu bannen gilt. In einem späteren Kommentar empfiehlt Dürrenmatt jedoch, auch die äusserste Härte und Rücksichtslosigkeit hinter Romulus’ Humanität zu entdecken. Vielleicht ist sein Stück nicht nur ein Plädoyer gegen blinden Nationalismus, der es zu seiner Entstehungszeit wie heute aktuell macht, sondern auch gegen Autokratismus jedweder Ausrichtung. Oder ist es gar eine Anleitung zur «Unterwerfung», frei nach Houellebecq?

Es inszeniert Franz-Xaver Mayr, der 2015 sein Regiestudium an der ZHdK in Zürich abgeschlossen hat. Seine Diplominszenierung «Antigone» wurde zum Körber Studio Junge Regie in Hamburg eingeladen. Seitdem arbeitet er u. a. am Wiener Burgtheater.

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